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Nationalsozialismus in München

Chiffren der Erinnerung

Dauerausstellung
 
Münchner Stadtmuseum

Kaufhaus Uhlfelder, November 1938
Ausstellungsplakat Plakat Große Deutsche Kunstausstellung
Propagandaplakat 1919 Plakat zu einer Ausstellung über verfolgte Kunst, 1936
A. Reich: Das größere Opfer
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Das Kaufhaus Uhlfelder
Das Münchner Stadtmuseum steht heute zum Teil auf dem Platz des ehemaligen Kaufhauses Uhlfelder, der Namenszug in Leuchtschrift an der Längsseite des Museums soll an diese Vergangenheit erinnern.

Das Kaufhaus Heinrich Uhlfelder GmbH ging aus dem 1878 im Rosental 9 eröffneten Haushaltswaren- und Galanteriewarengeschäft hervor, bis es um 1930 über Rosental 12,13,14,16, Nieserstr. 1, 2 auf 7.000 qm mit ca. 1.000 Angestellten und Arbeitern zum zweitgrößten Münchner Kaufhaus nach Tietz/Hertie angewachsen war. Besondere Attraktion des für eher niedrige Einkommen angelegten Kaufhauses waren seine Rolltreppen.

Der jüdische Eigentümer Heinrich Uhlfelder (gest. 1928) war 1924 für sein soziales Engagement zum Kommerzienrat ernannt worden. Das Kaufhaus führte er mit seinem Sohn Max, beteiligt war Tochter Margarethe. Das Eigentum berührte auch Jakobsplatz 3; Uhlfelder war Aufsichtsratsvorsitzender der Orag-AG für Schneiderbedarf, bis heute am Oberanger 9 in Betrieb.

Die Nationalsozialisten bekämpften schon seit ihrer Gründung 1919/20 in München Juden und ihre Betriebe. Nach dem Machtwechsel im Januar 1933 nahm die Bedrohung immer stärker zu. Max Uhlfelder kam im März 1933 zusammen mit 280 Juden in sogenannte "Schutzhaft". Beim antijüdischen Boykott im April 1933 zogen Demonstranten vor dem Kaufhaus auf.

Die Maßnahmen gegen Juden verschärften sich besonders ab 1935 in zunehmend entrechtenden Gesetzen. München übernahm eine Vorreiterrolle. In der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 wurde das Kaufhaus verwüstet, geplündert, in Brand gesetzt und blieb tagelang offen stehen, während Max Uhlfelder und Sohn mit ca. 1.000 weiteren Juden in Dachau inhaftiert waren, wo viele misshandelt und mehrere Männer getötet wurden.

Im Januar 1939 gelang die Freilassung Uhlfelders und mit Visa nach Indien die Rettung. Dabei wurde ihnen ihr gesamtes Vermögen genommen. Selbst die Schäden für die Kaufhauszerstörung mussten sie zahlen.

Die nationalsozialistischen Machthaber "liquidierten" oder "arisierten" jüdisches Eigentum, d.h. sie entschädigten die Zwangsverkäufe mit Spottpreisen zu Gunsten nichtjüdischer neuer Eigentümer und enteigneten ihre Vermögen nach Flucht ins Ausland. An diesem Vorgang waren viele beteiligt.

Die Münchner "Arisierungsstelle" - die "Vermögensverwertung München GmbH" unter dem Gauleiter Wagner - betrieb über die Industrie- und Handelskammer, unterstützt von interessierten Einzelhändlern und befürwortet von Oberbürgermeister Fiehler, die Liquidation des Kaufhauses Uhlfelder, die vom zuständigen Reichswirtschaftsminister Göring genehmigt wurde. Das Warenlager, das an Einzelhändler ging, und die Grundstücke, die an die Löwenbrau AG als Ersatz für den zwangsverkauften Bürgerbräukeller gingen, wurden "arisiert". Bei den Luftangriffen 1944 wurde das Kaufhaus stark beschädigt.

In über 100 Wiedergutmachungsverfahren musste Max Uhlfelder - 1953 nach München zurückgekehrt - großenteils erfolgreich Entschädigungen erkämpfen. 1954 wurden die Kaufhausgrundstücke an die Stadt verkauft. Nur das Haus Rosental 9 blieb in Familienbesitz.

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