SeitenWände. Fotografie im Buch und im Raum

 

29. September 2011 - 12. Februar 2012
Forum 025 der Sammlung Fotografie

SeitenWände ist ein Ausstellungsprojekt der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK Hamburg), betreut von Prof. Silke Grossmann und Alexander Rischer in Kooperation mit Dr. Ulrich Pohlmann (Münchner Stadtmuseum).

In vier aufeinander folgenden Ausstellungen setzten sich die jeweiligen Künstler mit den vielfältigen Zugängen zu fotografischen Bildern und ihren Wechselwirkungen auseinander. Zu sehen sind neben Fotografien auch Künstlerbücher, die größtenteils im Materialverlag der HFBK produziert wurden. Dieser ermöglicht es Studierenden seit drei Jahrzehnten Künstlerbücher zu fertigen, in denen Autor und Gestalter identisch sind – unter anderem auch die edition fotografie.

Durch die Kombination von Fotografien im Buch und im Ausstellungsraum entstehen spannungsreiche Bezugsfelder zwischen Bildern und Buchobjekten sowie neue Verknüpfungen unterschiedlicher Zeiten, Wahrnehmungen und Lesbarkeiten. Die Intimität des Bücherblätterns und die Öffentlichkeit des Ausstellungsbesuchs treten in Dialog und eröffnen vielschichtige, neue Bilderfahrungen.

# 1
Karin Jobst - Sabine Keller - Nadine Otto - Hyeyeon Park

29. September - 30. Oktober 2011

Die Künstler der ersten Ausstellung setzen sich mit klassischen fotografischen Stilmitteln auseinander, thematisieren den Aspekt der Bewegung im Raum und die Möglichkeiten der Fotografie zur Erfassung von Oberflächen, Objekten und Personen.

"around heaven and men", 2011

Karin Jobst
geht in ihrer Arbeit den Verschiebungen nach, die durch die Wechselwirkungen zwischen fotografischem Erfassen und filmischem Sehen entstehen. Ihre großformatigen Bildtableaus spielen mit der Bewegung zwischen Bild und Betrachter. In ihrer Publikation „around heaven and men", erschienen in der Reihe edition fotografie #16, reflektiert und erweitert Karin Jobst den Portraitbegriff zeitgenössischer Kunst.

 

  

Ausschnitt aus: PP, 2011

Sabine Keller

Mit dem Genre Stillleben sowie mit der modernen Warenwelt setzt sich Sabine Keller in ihrer Arbeit „PP“ auseinander. Transparente Kunststoffverpackungen, wie sie im Supermarkt für frisches Obst und Gemüse verwendet werden, inszeniert sie als fragile Skulpturen. Das eigentliche Ausgangsmaterial wird durch die Mittel der Fotografie visuell aufgelöst und verschlüsselt.

  

Din bästa tid är nu, 2008

Nadine Otto

erforscht mit „Din Bästa tid är nu“ die eigene Bewegung und den persönlichen Zugang zu Orten. In einem einsamen Wald in Südschweden nähert sie sich fotografisch drei benachbarten Häusern, umstreift sie und dringt schließlich in die Innenräume und fremden Lebenswelten der Bewohner vor. Dabei entsteht ein Portrait der abwesenden Menschen anhand ihrer Einrichtungen und Habseligkeiten.

  

"Ein Lied", 2011

Hyeyeon Park

Unter dem Titel „Transit I II“ erscheint die Arbeit der Koreanerin Hyeyeon Park als #17 in der Reihe edition fotografie. In ihren Aufnahmen bezieht sie die Position und Bewegung des betrachtenden Subjekts mit ein und dynamisiert so den Bildraum. Menschen und Tiere, Orte und Emotionen werden zu ephemeren Erscheinungen; Licht, Schatten und Perspektiven zu essentiellen Mitteln der Gestaltung.

# 2
Simone Haug – Rebekka Seubert – Caspar Sänger – Mitko Mitkov
Zu Gast: Susan Paufler

1. November – 4. Dezember 2011

Die Künstler der zweiten Ausstellung reflektieren das fotografische Medium mit seinen spezifischen (Re-)Produktionsmöglichkeiten und materiellen Darstellungsweisen.

seestück und schneedecke, 2010

Simone Haug und Rebekka Seubert
Die gemeinsame Arbeit von Simone Haug und Rebekka Seubert beleuchtet zwei unterschiedliche fotografische Auseinandersetzungen mit Landschaft: Simone Haugs Landschaftsreproduktionen von Plakatflächen werden Rebekka Seuberts Fotografien von Moorlandschaften in und um Hamburg gegenübergestellt. Der Dialog, in den die Arbeiten treten, dreht sich um Fragen der Produktion und Reproduktion sowie um die Klischeehaftigkeit von Landschaftsaufnahmen und den Wirklichkeitsgrad von Sehnsuchtsorten.

 

  

ohne Titel, 2011

Caspar Sänger

Sängers Wandinstallation besteht aus Bildern, die fotografischen Lehrbüchern über die Schwarzweißfotografie entnommen wurden, diesem Ursprung jedoch nicht sofort zugeordnet werden können. Rekontextualisiert werden die Reproduktionen durch das Buch, welches den gesamten Bücherbestand Caspar Sängers, darunter auch die Lehrbücher, fotografisch dokumentiert.

  

16 Bilder, 2011

Mitko Mitkov

Die fotografische Technik und den Aspekt des Zufalls betont der Bulgare Mitko Mitkov in seiner Arbeit "36 Bilder". In 36 Kleinformatabzügen und einem Heft mit 16 Bildern zeigt diese Arbeit sämtliche Fotos eines fehlerhaft entwickelten Films mit geheimnisvollen Spuren und Lichteinschreibungen.
In Mitko Mitkovs Kleinstverlag „1%ofONE“ wird von jedem Ausstellenden dieser Gruppe ein Buch der Reihe 16 Bilder erscheinen, wie auch das Buch ein schnitt, in dem die Landschaftsbilder von Simone Haug und Rebekka Seubert erst durch das Aufschneiden der Buchseiten sichtbar werden.

  

Susan Paufler

Susan Paufler entwickelt in einer Installation das Thema ihres Buches "Der Zweifel im Schuh" weiter. Darin reflektiert sie sowohl Fotografien und Texte, die in Havanna entstanden sind, als auch das Erwecken und Bezweifeln von eigenen Erinnerungen in einem fremden Land. Nicht nur das damals Erlebte, sondern auch das Buch selbst und die scheinbar wenig veränderte politische Situation Kubas finden in der hier präsentierten Arbeit eine neue Form.
Zu sehen ist die Installation im Foyer des Münchner Stadtmuseums.

  

# 3
Jenny Schäfer – Franziska Opel – Sungeun Claire Choi – Paula Estrada Quintero

6. Dezember 2011 – 8. Januar 2012

Die Arbeiten der dritten Ausstellung zeichnen sich durch eine subjektive, introspektive Art der Raumerfahrung und -erforschung sowie durch die Einbeziehung ergänzender Medien und Ausdrucksmittel aus.

Forschung und Lehre II, 2011

Jenny Schäfer
In ihrer Arbeit „Forschung und Leere“ befasst sich Jenny Schäfer mit unterschiedlichen, assoziativen Wahrnehmungsmomenten, die durch verschiedenste Materialitäten, die Einbeziehung von Fundstücken und die Art der Hängung herbeigeführt werden. Durch Analogien und Ambivalenzen zwischen den Bildern entstehen Spannungszustände und neue Beziehungen.

 

  

Porzellan-Lichtobjekt, 2011

Franziska Opel

Franziska Opels Beschäftigung mit Text und Poesie wird in der Ausstellung in einer glasierten Porzellanplatte sichtbar, durch welche der eingeprägte Satz „Im hellen die Sterne dunkel leuchten" scheint. Auf das Medium Fotografie verweist dieses Objekt unter anderem durch seinen Positiv-Negativ-Charakter.

  

Claire, Sungeon, 2011

Sungeun Claire Choi

Die Auseinandersetzung mit Licht und Materialität findet sich auch in der Arbeit der Koreanerin Sungeun Claire Choi, welche ihre Ankunft in Deutschland fotografisch begleitet hat. Die Erfassung von Oberflächen und ihr Wunsch nach Vertrautheit in der Fremde kommen in ihrem diary zum Ausdruck.

  

ohne Titel, 2011

Paula Estrada Quintero

Die Kolumbianerin Paula Estrada Quintero erforscht verlassene öffentliche Gebäude und hier besonders die Zwischenräume, die oft übersehen oder achtlos durchschritten werden. In ihren Schwarz-Weiß-Fotografien verschmelzen die unterschiedlichen Räume zu einer mysteriösen Ortlosigkeit, die sich der konkreten Zuordnung entzieht.

  

# 4
Florian Elsebach – Silke Grossmann – Alexander Rischer – Sven Schumacher

10. Januar – 12. Februar 2012

Eine subjektive Auseinandersetzung mit Räumen und Landschaften sowie die Thematisierung der Zeit bzw. Unzeitlichkeit findet sich in der vierten, aktuellen Ausstellungsgruppe.

aus "Im Moment der Betrachtung", 2011

Florian Elsebach
IFlorian Elsebach arbeitet im Buch „Im Moment nach der Betrachtung" durch beliebig untereinander kombinierbare Doppelseiten mit einer offenen und losen Assoziationskette von Bild und Text, die sich mit der Nähe des Blicks auf Objekt und Person und deren Verwobenheit befassen. Auch in seiner Dia-Projektion „halten“ thematisiert er die puzzleartige Zusammenfügung und Fragmentierung des Bildes sowie die Bewegung und Aktivität des Besuchers im Raum.

 

  

aus "Entfernungsverschiebung II", 2011

Silke Grossmann

Die Schwarz-Weiß-Fotografien von Silke Grossmann sind durch einen synästhetischen Zugang zu Personen und Landschaften geprägt. Sie thematisiert Raum- und Zeitrelationen im Bild und in Bildfolgen – etwa Wechselbeziehungen zwischen dem nahen, greifbaren und dem fernen, imaginären Raum einer weitläufigen Landschaft, die Räume und Zeiten unseres Bewusstseins und unserer Erinnerung verbindet. In der Ausstellung präsentiert sie u.a. ihr neu erscheinendes Buch „Lee with his Rabbits".

  

St. Johannis Baptistae Orgelempore, 2007

Alexander Rischer

Alexander Rischer betreibt eine besondere Art der Geschichtsforschung und greift vergessene Sinnzusammenhänge wieder auf. In seiner langjährigen Arbeit beschäftigt ihn die Frage nach der Funktion von Erinnerung und Gedächtnis sowie nach der Bedeutung visueller Diskurse – insbesondere von Fotografien – für Geschichte. Den Ausgangspunkt für die in der Ausstellung präsentierte Arbeit bildet ein Briefwechsel aus der Zeit um 1691/92 zwischen einer Nonne im Kloster Diesdorf und dem Klostervorsteher in Apenburg, dem er an der Strecke zwischen diesen beiden Orten nachspürt.

  

ohne Titel, 2011

Sven Schumacher

Mit dem Verhältnis von Landschaft, Geschichte und Erinnerung setzt sich Sven Schumacher in seinen Fotografien, in einer Video-Installation und im Künstlerbuch auseinander. Mit je unterschiedlichen medialen Zugängen und Möglichkeiten folgt er dem Verlauf einer nach dem Zweiten Weltkrieg stillgelegten Bahnstrecke. Vom niedersächsischen Dannenberg aus spürt er den Überresten und Spuren der Gleise, die auch an seinem Heimatort Damnatz vorbeiführen, bis zur Brückenruine am Elbufer nach.

  

Weitere Informationen: www.hfbk-hamburg.de

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