Über 400 Exponate, viele davon werden zum ersten Mal gezeigt, illustrieren Geschichte und Geschicke einer Stadt, die für viele - zu Recht oder zu Unrecht - als eine der bevorzugten Plätze auf der Welt gilt. Dargestellt wird die späte Selbstfindung Münchens als bürgerliche Stadt im Zusammenhang mit dem Stadtjubiläum 1858, Reizworte wie Bier- und Kunststadt werden sichtbar, die kulturelle Aufbruchstimmung um 1900, schließlich die "Hauptstadt der Bewegung" und das Wiedererstehen der "heimlichen Hauptstadt" in der Zeit des Wirschaftswunders sind herausragende Stationen dieser Schau. Jeder, zumal jeder Münchner - hat ein ganz bestimmtes Bild von dieser Stadt. Die Ausstellung erwartet Zustimmung und Widerspruch.
In fünf historisch gegliederten Abschnitten geht die Ausstellung der Frage nach, was seit wann und vor allem warum typisch ist für München.

Als Residenz von Herzögen, Kurfürsten und Königen war München immer von der Politik der bayerischen Landesherren geprägt. Mit der Gründung ihres Stadtmuseums im Jahr 1888 begaben sich die Münchner auf die Suche nach einer eigenen Vergangenheit. Es kam zu Konstruktionen, für die das moderne Wort der „erfundenen Traditionen“ gilt. Sie erweisen sich als Wunschvorstellungen, die für die Identität einer Stadt verbindlich werden können. Gezeigt werden diejenigen „Münchner Altertümer“, die sich aus der retrospektiven Sicht des 19. Jahrhunderts für das neue Verständnis einer standesstolzen Bürgerstadt vereinnahmen ließen.
Die Themen im Moriskensaal
(Die Links verweisen auf ausgewählte Ausstellungsstücke)
Die Münchner Mönche - Die Gründung Münchens - Das Stadtwappen - Münchner Ziegel - Die Frauenkirche - Das Sandtnermodell - Moriskentänzer - Ratskeller und Silberschatz - Ritter und Turniere - Der Marienplatz - Das "deutsche Rom" und seine Wunder - Schäfflertanz - Metzgersprung - Münchner Rokoko - Das Zeughaus

Mit seinem Beschluss, die alten Stadtmauern niederzulegen, schuf Kurfürst Karl Theodor 1791 die Grundlage zu einem „Neuen München“. Die Idee gewann unter politisch veränderten Vorzeichen Gestalt, als München zur Hauptstadt des 1806 geschaffenen Königreichs Bayern wurde. Unter den Königen Maximilian I. Joseph, Ludwig I. und Maximilian II. erlebte München den Ausbau zur repräsentativen Residenz- und jetzt auch Universitätsstadt. Die schnell umgreifende Vorstellung vom „Isarathen“ ist mit den Namen vieler Künstler und Gelehrter verbunden, die München international berühmt gemacht haben. Sie waren aber keine Bürger der Stadt, sondern Angehörige des Hofstaats. Was heute als unerheblich erscheinen mag, bezeichnete aus kommunaler Perspektive eine zunächst noch schwer zu überbrückende Differenz.
Die Themen im Königssaal
(Die Links verweisen auf ausgewählte Ausstellungsstücke)
Die "effigies" des Königs - Canalettoblick - Die Erfindung der Altstadt (Adamsaal) - Biedermeier und Biedermeierei - Edlinger Nordwand - Münchner Köpfe - Isarathen - Die Typhusstadt - Katastrophen: Die Turmwächter und die Elefantenkatastrophe - Lola Montez - Die Schöne Münchnerin - Theresienwiese - Erzgießerei - Glas und Stahl - Nymphenburger Porzellan - Viktualien - Die Isar

Im Sommer 1858 wurde die damals 700 Jahre zurückreichende Gründung Münchens erstmals ins öffentliche Bewusstsein gehoben. In einem großen Festzug ließ die Stadt ihre vom Wittelsbacher Hof dominierte Geschichte vorbeiziehen, um sich zugleich von ihr zu verabschieden. Mit dieser Feier vollzog sich aus städtischer Perspektive die eigentliche Gründung Münchens. Zur landesherrlichen „Bavaria“ trat jetzt die neu erfundene und selbstbewusste Stadtpersonifikation „Monachia“. Unter ihrer Schirmherrschaft gewann München ein unverwechselbares Profil. Zwei Faktoren trugen dazu besonders bei – die Kunst und das Bier. Thomas Mann sah in dieser Mischung ein Spezifikum der Stadt: „Es ist münchnerisch, daß von zwei Brüdern, Träger eines altbürgerlichen Namens, der eine etwa Bäcker oder Brauer, der andere ein berühmter Architekt oder Erzgießer ist.“
Die Themen im Monachiasaal
(Die Links verweisen auf ausgewählte Ausstellungsstücke)
Die Geburt der Monachia - Münchner Kindl - Münchnerisch - Münchnerisch - Bier- und Kunststadt:Biertrinker, Künstlerkneipe, Künstler - Richard Wagner - Historismus - Jugendstil - Made in Munich - Prinzregentenzeit - Friedensengel - Die Exoten - Schwabing um 1900 - Münchner Schulen - Exzentriker

Mit der Revue „Kasperl im Klassenkampf“ greift die Ausstellung eine Idee Lion Feuchtwangers auf. Der ins Exil getriebene Schriftsteller verarbeitete in seinem Roman „Erfolg“ alle Strömungen, die Münchens Politik, Wirtschaft und Kultur in den zwanziger Jahren geformt haben. Der Weg führt in die nationalsozialistische „Hauptstadt der Bewegung“, wie sich die Stadt München seit 1935 offiziell nannte. Nach dem Ende von Diktatur und Terror stellt sich die Frage nach den Brüchen und Kontinuitäten, in denen sich die wiederaufgebaute Stadt zu ihrer 800-Jahrfeier 1958 präsentierte.
Die Themen im Feuchtwangersaal
(Die Links verweisen auf ausgewählte Ausstellungsstücke)
Kasperl im Klassenkampf. Eine Revue [hier Themen wie Räterepublik, Valentin, Brecht, Mann, "Fremd ist der Fremde...", "Trommeln in der Nacht" und andere Aspekte, die aus Feuchtwangers Roman "Erfolg" für die Darstellung der zwanziger Jahre abzuleiten sind] - Exil - "Hauptstadt der Bewegung"/München im Nationalsozialismus - Trümmerzeit - Brüche und Kontinuitäten

Die Entscheidung, die Olympischen Spiele 1972 in München auszutragen, war ein Geschenk, das der Stadt zu einem nachhaltig wirksamen Imagewechsel verhalf. Zur Zeit der Bonner Republik wurde die „Weltstadt mit Herz“ als die „heimliche Hauptstadt“ gehandelt, ehe sie als „Medienstadt München“ zu ihrer aktuellen Bestimmung fand. Die Ausstellung „Typisch München!“ projiziert in der "chill out loden lounge" eine Choreographie von Bildern, in denen sich die Stadt zwischen Fußballstadion und Bierzelt, Laptop und Lederhose, Preßsack und Prosecco selbst gefällt.
Die Themen im Arenasaal
(Die Links verweisen auf ausgewählte Ausstellungsstücke)
Olympische Spiele '72 - BMW - Biergarten - Schumann's Bar - Medienstadt - TV - Migration - Bierzelt - Arena - Public Viewing in der Loden Lounge

Zur Ausstellung ist eine umfangreiche Publikation "Typisch München! Das Jubiläumsbuch des Münchner Stadtmuseums", herausgegeben von Wolfgang Till und Thomas Weidner, Verlag Edition Minerva, Umfang 304 Seiten erschienen. Sie ist für EUR 19,80 im Münchner Stadtmuseum erhältlich.
Führungen
Für englischsprachige Besucher liegen ausgesuchte Ausstellungstexte in einer kostenlosen 88-seitigen Broschüre vor. Eine elektronische Führung (Audioguide) ist an der Museumskasse in Deutsch und Englisch für EUR 3 erhältlich. Öffentliche Führungen finden Sie auf unserer Veranstaltungsseite. Führungen für Schulklassen können beim Museumspädagogischen Zentrum gebucht werden.
Partner & Förderer
Unser Dank für die großzügige Unterstützung geht an:
Bayerische Landesstiftung - Herrenmodehaus Hirmer GmbH & Co.KG - Edith-Haberland-Wagner-Stiftung - Renate und Falk Strascheg Stiftung - Kulturstiftung der Stadtsparkasse - The Linde Group
und an unsere Partner: Bayerisches Fernsehen - BMW - Süddeutsche Zeitung
und an den Stadtrat der Landeshauptstadt München