
Farblithographie / 13,8 x 8,9 cm / 1901
Der Münchner Metzgersprung war ein vor allem im 19. Jahrhundert beliebtes Rosenmontagsvergnügen. Dabei zogen die Metzgergesellen auf den Marienplatz, sprangen in den Fischbrunnen und bespritzten sich und die Zuschauer mit Wasser. Als ein Brauch von Handwerkern gehört der ritualisierte Akt zu den sogenannten Freisprechungszeremonien, mit denen die Zünfte auf ihren Stand öffentlich aufmerksam machten. Ähnliche Traditionen wurden auch in anderen Städten gepflegt. In München wird der Metzgersprung zusammen mit dem Schäfflertanz ebenso beharrlich wie irrtümlich auf "die schwere Pest von 1517" zurückgeführt , die es in diesem Jahr überhaupt nicht gab. Urkundlich ist der Brauch erstmals für das Jahr 1793 belegt , als er unter Kurfürst Karl Theodor kurzzeitig verboten wurde. Nach der Einweihung des neugestalteten Fischbrunnens im Jahr 1954 wird die Tradition bis heute fortgeführt . Der letzte Metzgersprung fand im Jahr 2007 statt. Vorformen des Metzgersprungs lassen sich schon in der Zeit vor 1500 nachweisen, als sich die Handwerker zum Aschermittwoch wohl gegenseitig in den Marktbrunnen warfen. Nach der "verkehrten Welt" des Faschings dürfte es sich um eine sofort wirksame Maßnahme zur Ernüchterung gehandelt haben, die immer dann eintritt, wenn geltende Hierarchien wieder ins Recht gesetzt werden.
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