Hausrock Ludwig des I.

Hausrock König Ludwigs I. von Bayern

Grüngraues Tuch, Holzknebel und Schnüre / 126 x 102 cm / Um 1800 / Dauerleihgabe Historischer Verein von Oberbayern
Über die Sammelleidenschaft des bayerischen Kronprinzen, der mit seinen sensationellen Erwerbungen antiker Skulpturen die Eröffnung der Glyptothek vorbereitete, soll König Max Joseph gesagt haben: "Sehen Sie meinen Narren von Sohn, er ist bereit, eine Million auszugeben für Bruchstücke, während er es ablehnt, Wäsche für seinen Haushalt zu kaufen."
Das väterliche Unverständnis dürfte sich auf den abgewetzten Mantel bezogen haben, den Ludwig I. von Bayern (1788 – 1868) sein Leben lang zu tragen pflegte und der ein Bild vermittelt von der Gestalt, dem Charakter und dem Privatleben des Herrschers. Kurz nach dem Tod des Königs bezeugte sein ehemaliger Kammerdiener die Authentizität des Kleidungsstücks: "Dieser Rock wurde von Seiner Majestät dem höchstseligen König Ludwig I. von Bayern mehr als sechzig Jahre lang getragen."
Prinz Luitpold schenkte den Mantel im Jahr 1870 dem Historischen Verein von Oberbayern. Im Dankesbrief spricht der Vorstand von einem "polnischen Laibrocke", den der König "seit länger denn eines halben Jahrhunderts Tag für Tag nach dem Aufstehen und vor dem Schlafengehen zu tragen gewohnt gewesen" sei. Von einer "polnischen" Herkunft solcher Röcke wußte auch der Schriftsteller Karl Lebrecht Immermann (1796 – 1840). In seinem 1838 erschienenen Roman "Münchhausen" legt er dem Lügenbaron gewöhnliche Tageskleider an, "welche in einem kurzen polnischen Schnürrocke von grünem Sommerzeuge, in strohfarbenen kurzen Hosen und schwarzen Kamaschen bestanden."

Flechtzylinder

Flechtzylinder

Peddigrohr und Roßhaar / H. 20 cm, D. 36 cm / um 1820
Einer alten Überlieferung zufolge stammt der Strohzylinder aus dem Besitz des bayerischen Königs Maximilian I. Joseph, der ihn während seiner Landaufenthalte in Tegernsee getragen haben soll. Das glaubt man gerne, so trefflich vermag der Hut die Person und den Regierungsstil eines Herrschers zu charakterisieren, der bei der Münchner Bevölkerung als leutseliger "Vater Max" beliebt war.
Der Hofbeamte Karl Heinrich von Lang berichtet in seinen 1841 erschienenen Memoiren von einer Audienz bei König Maximilian I. Joseph in der Münchner Residenz: "Im Vorzimmer der königlichen Gemächer befand sich, in Ermangelung des diensttuenden Kammerherrn, der erst später herbeikam, ein großer Affe, der mich geringschätzig anblickte und dann eifrig in seinem Geschäft des Flöhesuchens fortfuhr. Diese Frühstunde war es, wo der bereits angekleidete König sein Frühstück nahm, das er mit einem großen Löwenhund teilte, hierauf sich die Ausfertigungen zur Unterschrift vorlegen ließ, geringere zeremonielose Audienzen gab, hierauf vom Staatskassierer sein Taschengeld, täglich tausend Gulden, in Empfang nahm und vom Polizeidirektor die Geschichte des Tags und die Abenteuer der Nacht erfuhr. Dann ging es umher in den Gängen, im Stalle, auf der Schranne, wo die Höflinge Schwänke mit Bauern und Dirnen aufzuführen suchten."

weitere Themen im Königssaal

(Die Links verweisen auf ausgewählte Ausstellungsstücke)
Die "effigies" des Königs - Canalettoblick - Die Erfindung der Altstadt (Adamsaal) - Biedermeier und Biedermeierei - Edlinger Nordwand - Münchner Köpfe - Isarathen - Die Typhusstadt - Katastrophen: Die Turmwächter und die Elefantenkatastrophe - Lola Montez - Die Schöne Münchnerin - Theresienwiese - Erzgießerei - Glas und Stahl - Nymphenburger Porzellan - Viktualien - Die Isar