Eisele und Beisele

Beisele und Eisele

Pappe, Holz und Textilien / H. 27 cm, D. 13 cm, H. 30 cm, D. 13 cm / um 1850
In den "Fliegenden Blättern" wurde mit "Wieland Gottlieb Biedermaier" nicht nur der fiktive Provinzdichter erfunden, dem die Epoche ihren Namen verdankt. Aus der humoristischen Zeitschrift gingen auch "Beisele und Eisele" hervor, zwei Witzfiguren, die zwischen 1846 und 1853 ihre "Kreuz- und Querzüge durch Deutschland" antraten. Von den Bildgeschichten mit den beiden Biedermännern erschienen insgesamt 80 Folgen. Stationen waren außer München Städte wie Berlin, Hannover, Bremen, Wien und Weimar. Baron Beisele trägt einen hellen Zylinder, Reisemantel und karierte Hosen. Sein bebrillter Hofmeister Doktor Eisele ist mit langem Frack und einem schwarzen Zylinder bekleidet. Um ihren Humor zu verstehen, sollte man selbst am besten keinen haben. In seinen tagespolitischen Anspielungen bleibt der Witz dieser biederen Geschichten heute meist unverständlich und insgesamt harmlos im Vergleich mit den aggressiven Karikaturen aus England oder Frankreich.
Die Episoden wurden von Kaspar Braun (1807 – 1877) geschrieben und von Friedrich Schneider (1815 – 1864) gezeichnet. Beide waren auch die Verleger der langlebigen Zeitschrift "Fliegende Blätter", die sie seit 1844 zunächst vierteljährlich und später wöchentlich herausgaben. Die bekannteste Publikation des Münchner Verlags Braun & Schneider war 1865 die Erstausgabe des "Max und Moritz" von Wilhelm Busch.
Von der zeitgenössischen Popularität des Seriengespanns "Beisele und Eisele" zeugen einige Figurinen, die als Vorläufer für das Merchandising heutiger Comichelden gelten können.

Biedermeierkanapee

Kanapee

Nußbaum auf Fichte furnier t, erneuerter Rautendamast / 46/103 x 167 x 65 cm / um 1830
Zur Zeit des Biedermeier etablierten sich einige "Meubelfabriken" in München, von denen komplette Zimmereinrichtungen bis hin zum Spucknapf angeboten wurden. Nach dem herrschaftlichen Pomp vorangegangener Epochen zeichnete sich das Sortiment mitunter durch eine Formensprache aus, die im Entwurf so klar ist, daß ihr heute sogar Werke der Neuen Sachlichkeit zur Seite gestellt werden. Man hat diese formale Bescheidenheit lange Zeit auf ein haushälterisches Zweckdenken zurückgeführt, mit dem das Biedermeier zum ersten "bürgerlichen Stil" geworden sei. Zwar wurden die Möbel durch neue Produktionsmethoden für einen breiter gefaßten Kundenkreis erschwinglich. Die geschmacklichen Vorgaben gingen jedoch von den Fürstenhöfen aus, die neben ihren nach wie vor prunkvollen Repräsentationszimmern zunehmend auch Privaträume schufen, in denen es mit schlichter, gleichwohl kostspieliger Eleganz getan war. Besondere Phantasie entwickelten die Möbelentwerfer bei der Gestaltung des "Sophas" oder Kanapees mit geometrisch geschwungenen Formen, gedrechselten Wülsten und geschweiften Lehnen. Die Entwürfe wurden in Vorlagebüchern veröffentlicht, die Titel trugen wie "Practische Zeichnungen von Meubles im neuesten und geleutertsten Geschmacke". Von solcher Läuterung zeugt auch das ausgestellte Kanapee, bei dem die Stützen zu dekorativen, aber nicht vergoldeten Voluten eingerollt sind. Das Furnierholz zeigt eine sorgfältig ausgewählte und ornamental zusammengefügte Maserung. Das Kanapee, das die Signatur eines weiter nicht bekannten Möbelbauers "Staudtner" trägt, dürfte von bürgerlicher Herkunft sein.
Bei den Möbeln des Biedermeier waren die originalen Stoffbezüge von einer oft erstaunlichen Farbigkeit, die in komplementären Werten auf die Wandgestaltung der Räume abgestimmt war.

weitere Themen im Königssaal

(Die Links verweisen auf ausgewählte Ausstellungsstücke)
Die "effigies" des Königs - Canalettoblick - Die Erfindung der Altstadt (Adamsaal) - Biedermeier und Biedermeierei - Edlinger Nordwand - Münchner Köpfe - Isarathen - Die Typhusstadt - Katastrophen: Die Turmwächter und die Elefantenkatastrophe - Lola Montez - Die Schöne Münchnerin - Theresienwiese - Erzgießerei - Glas und Stahl - Nymphenburger Porzellan - Viktualien - Die Isar