Gnomen am Zeh der Bavaria

Moritz von Schwind / Gnomen am Zeh der Bavaria

Öl auf Leinwand / 50,5 x 55 cm / 1850 / Dauerleihgabe der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München
Angesichts des Kolossalen versagen regelmäßig die Begriffe der Maßstäblichkeit. Diese Erfahrung wurde nicht zuletzt vor den Kunstwerken der Antike als ein Erlebnis von "erhabener" Größe gesucht. Davon zeugen Bilder, auf denen etwa das monumentale Standbild des Herkules Farnese oder die Fragmente der Konstantinsfigur auf dem Kapitol in Rom bestaunt werden.

Moritz von Schwind (1804 – 1871) hat diese Tradition ins Komische gewendet. Aus dem Repertoire seiner Märchenwelten schickt er eine Gruppe von sieben Gnomen in die Königliche Erzgießerei von München, um den soeben begonnenen Guß der Bavaria zu inspizieren. Allein schon das Format des Kabinettgemäldes befördert den Kontrast der Extreme. Die Beschränkung des Ausschnitts auf den Zeh der Kolossalfigur gehört zu den Stilmitteln, die aus der Karikatur bekannt sind.

Das Gemälde bezieht seinen Witz auch aus kunsthistorischen Anspielungen. Die Gnomen sind als Muskelprotze dargestellt, so als entstammten sie einem von Michelangelo ersonnenen Titanengeschlecht. Völlig lächerlich wird ihr Auftritt, wenn sie der Bavaria mit Hilfsmitteln wie Zollstock und ABC-Buch zu Leibe rücken wollen. So erscheinen die Gnomen ganz wörtlich als Abbild einer Kleingeisterei, mit der den Großtaten der königlichen Erzgießerei nicht beizukommen war. Das Gemälde stammt aus dem Besitz Ferdinand von Millers.

 

kleiner Finger der Bavaria

Ferdinand von Miller / Der Kleine Finger der Bavaria

Bronze / H. 30 cm, D. 16 cm / um 1850
Als Erinnerung an den Guß der Bavaria wurden mehrere Abgüsse vom Kleinen Finger der Figur genommen. Sie fanden als Trinkhumpen Verwendung. Zur feierlichen Enthüllung der Kolossalstatue am 9. Oktober 1850 überreichten Vertreter der Bürgersängerzunft einen solchen Fingerpokal dem inzwischen abgedankten König. Der Humpen habe "drei gutbayerische Maß" gefaßt. Ein weiteres Exemplar schenkte Ferdinand von Miller dem Männergesangsverein seiner Heimatstadt Fürstenfeldbruck.

weitere Themen im Königssaal

(Die Links verweisen auf ausgewählte Ausstellungsstücke)
Die "effigies" des Königs - Canalettoblick - Die Erfindung der Altstadt (Adamsaal) - Biedermeier und Biedermeierei - Edlinger Nordwand - Münchner Köpfe - Isarathen - Die Typhusstadt - Katastrophen: Die Turmwächter und die Elefantenkatastrophe - Lola Montez - Die Schöne Münchnerin - Theresienwiese - Erzgießerei - Glas und Stahl - Nymphenburger Porzellan - Viktualien - Die Isar