Maximilianstrasse

Christian Jank / Die Maximilianstraße in München

Öl auf Leinwand / 48,5 x 77,5 cm / 1864
Die Maximilianstraße diente in ihrer ursprünglichen Konzeption den königlich bayerischen Truppen als Aufmarschplatz. Mit der verstärkten Präsenz des Militärs sollte die innenpolitische Stabilität einer seit 1848 ins Wanken geratenen Monarchie gestützt werden. Wie die gleichzeitigen Planungen des Baron Haussmann für Paris ist die neue Straßenachse deshalb als ein Beitrag zur urbanistischen Befriedung zu bewerten. Der vielzitierte Ausspruch ihres Bauherrn "Ich will Frieden haben mit meinem Volke" spricht das offen aus.

Das im Todesjahr König Maximilians II. entstandene Gemälde zeigt den Fortschritt der Bauarbeiten. Der Betrachter steht auf der Isarhöhe mit dem "Maximilianeum", in dem der Bayerische Landtag seit 1949 seinen Sitz hat. Als eine Eliteschule zur Förderung des begabten Nachwuchses für höhere Staatsämter bildete das Gebäude den planerischen Ausgangspunkt für den Straßenzug, der sich auf einem aufgeschütteten Damm bis zur Residenz erstreckt. Mit der Maximilianstraße stieß die moderne Stadtplanung erstmals in den Münchner Osten vor. Die Anbindung der eingemeindeten Vororte erfolgte über die von dem städtischen Ingenieur Arnold Zenetti errichtete Maximiliansbrücke. Auf der Brücke sind Gaslaternen zu sehen, die in München im Jahr 1850 in Betrieb genommen wurden. Die Projektleitung wurde 1851 dem Architekten Friedrich Bürklein (1813 – 1872) übertragen. Nach dem Willen des Königs hatte er einen eigenen Baustil zu entwickeln, für den vor allem gotisch verstandene Elemente zum "Maximilianstil" verschmolzen wurden. Während Klenze die "Neue Straße" als ein "architektonisches Ragout" diskreditierte, war sie für den Kunstkritiker Friedrich Pecht ein politisch "unerfreuliches Gemisch aus der Gier der Bauspekulanten und den Anforderungen des Königs, der ein Neues verlangte, das kein Mensch zu finden vermochte." Diesen despektierlichen Urteilen zum Trotz zählt die Maximilianstraße mit ihren luxuriösen Geschäften heute zu den bedeutendsten Boulevards Europas. Das historische Ensemble wurde im Zweiten Weltkrieg und nicht zuletzt durch den 1967 begonnenen Durchbruch des achtspurigen Altstadtrings erheblich beeinträchtigt.

 

Teekanne

Teekanne mit der Darstellung des Münchner Glaspalasts

Porzellan, Goldstaffage und Muffelfarben / H. 19 cm / um 1860
Die in ihren Formen dem Rokoko nachempfundene und wohl um 1860 in Böhmen entstandene Teekanne ist mit einer Ansicht des Münchner Glaspalasts dekoriert. Mit seiner Eisenkonstruktion wurde das 1854 eröffnete Bauwerk zum Sinnbild der technischen Revolution in Bayern. Als Bildmotiv der Porzellanmalerei erzeugt die moderne Architektur auf der altmodisch verschnörkelten Teekanne jedoch einen Kontrast, der die Regierungszeit König Maximilians II. (1848 – 1864) als inneren Widerspruch kennzeichnet.

In einer panischen Furcht vor neuerlichen Rebellionen ließ König Maximilian II. den "Tendenzen der Zeit" nachspüren, um sie für den Erhalt der Alleinherrschaft zu instrumentalisieren. Im selben Maß, in dem er sein Land für eine Modernisierung durch Wissenschaft und Technik öffnete, förderte König Maximilian II. die Pflege von Brauchtum, Tracht und Landesgeschichte. Seine in umfänglichen Aktenbergen dokumentierten Kampagnen sollten zur "Hebung des bayerischen Nationalgefühls" beitragen, das sich langfristig als das sicherste Pfand zum Schutz der Monarchie einlösen ließ.

Der nicht mehr als unverträglich empfundene Kontrast von Traditionalismus und Technologie ist im heutigen Bayern mit dem Schlagwort von "Laptop und Lederhose" zur Konvention geworden.

weitere Themen im Königssaal

(Die Links verweisen auf ausgewählte Ausstellungsstücke)
Die "effigies" des Königs - Canalettoblick - Die Erfindung der Altstadt (Adamsaal) - Biedermeier und Biedermeierei - Edlinger Nordwand - Münchner Köpfe - Isarathen - Die Typhusstadt - Katastrophen: Die Turmwächter und die Elefantenkatastrophe - Lola Montez - Die Schöne Münchnerin - Theresienwiese - Erzgießerei - Glas und Stahl - Nymphenburger Porzellan - Viktualien - Die Isar