Fliegende Händler

Johann Georg Christian Perlberg / Fliegende Händler im Münchner Pschorrbräu

Öl auf Leinwand / 60,3 x 73,6 cm / 1837
Der Blick auf das Gemälde geht in eine überfüllte Wirtsstube, in der fliegende Händler ihre Waren anbieten. Vor dem Porträt König Ludwigs I. von Bayern, das von zwei römischen Kupferstichen mit der Darstellung der Engelsburg und des Kolosseums gerahmt wird, ist ein Mann mit Zillertaler Hut auf die Holzbank gestiegen. Er breitet eine sogenannte Defreggentaler Decke aus, einen Teppich aus Ziegenhaar. Die Frau mit der Oberländer Otternfellmütze und der blauen Schürze verkauft Walnüsse, deren Verzehr angeblich vor der Cholera schützte. Zu ihrem Gefolge gehört ein barfüßiges Kind. Es trägt einen Korb mit Radieschen und greift in einem unbeobachteten Moment nach einem Glas Bier.

Die alte Händlerin war in München als "Nußkathl" stadtbekannt. Sie gehörte zu den sogenannten "Radi-Weibern", die durch die Gaststätten zogen und besonders zur Bockbierzeit Konjunktur hatten. August Heinrich Hoffmann von Fallersleben berichtet 1839 von "alten schmierigen Radiweibern", die "aus ihren schmierigen Taschen ein schmieriges Buchsbaumbüchschen, worin 5 Löcher, hervorholten und auf den schmierigen Tisch einige Körnchen Salz herausklopften".
Die folkloristische Szene auf dem Gemälde ist im Pschorrbräu an der Neuhausergasse zu lokalisieren. Doch trägt der unter dem Kruzifix sitzende Soldat eine bayerische Ulanenuniform, die zur Entstehungszeit des Gemäldes gar nicht mehr gebräuchlich war. Es handelt sich um eine retrospektive Darstellung. Der in Köln geborene und aus Nürnberg zugereiste Maler Johann Christian Perlberg (1806 – 1884) folgte König Otto I. nach Griechenland.

 

Fischerordnung

Anonym / Münchner Fischerordnung

Öl auf Holz / 77 x 47 cm / 1790
Die Tafel zeigt das auf dem Münchner Markt gängige Angebot von Speisefischen. Es sind Forelle, Saibling, Aitel, Hecht, Äsche, Karpfen, Brachse, Barbe und Flußkrebs. Der Krebs wird in einem heute nicht mehr bekannten Dialektwort "Mäuchen" genannt. Die Tafel war am Fischbrunnen angebracht, in dem die Fischmeister ihren Fang einsetzten. Sie diente nicht nur zum Aushang des Angebots, sondern legte vor allem das "Bruttelmaß" fest, "damit nicht durch den Verkauf zu kleiner Fische der Brut zu viel Schaden geschieht", wie Anton Baumgartner 1826 bemerkte.

Auf der in den Stadtfarben Schwarz und Gelb gerauteten Rückseite des Klappladens steht unter einem Medaillon mit dem Münchner Wappenmönch die Aufschrift "Fischer:Ordnung 1790." Die immer wieder aktualisierte Ordnung geht auf das Jahr 1516 zurück und regelte die Fischerei in Donau, Isar und Inn. Jeweils am Donnerstag und Freitag hatten die in der Zunft organisierten Fischer das Recht, in der Isar und den Stadtbächen "zu fischen und zu krebsen". Das "Wildern mit der Angel" stand unter Strafe. Man hatte dabei besonders die Einwohner der Au, des Lehels und von Haidhausen im Auge sowie "andere Burschen, die den Müßiggang suchen".

Die Illustrationen folgen dem "Codex Maximilianus" aus dem Jahr 1616, einem lange gültigen und umfassenden Gesetzgebungswerk, in dem auf großen Holzschnitten die Fische in Lebensgröße als Eichmaß abgebildet sind. Ähnliche Darstellungen sind vor allem in Seestädten bekannt, wie zum Beispiel im Rathaus von Zürich. Im katholischen München bezeugt die Tafel die besondere Bedeutung der Fischkost als Speise an Fasttagen.

weitere Themen im Königssaal

(Die Links verweisen auf ausgewählte Ausstellungsstücke)
Die "effigies" des Königs - Canalettoblick - Die Erfindung der Altstadt (Adamsaal) - Biedermeier und Biedermeierei - Edlinger Nordwand - Münchner Köpfe - Isarathen - Die Typhusstadt - Katastrophen: Die Turmwächter und die Elefantenkatastrophe - Lola Montez - Die Schöne Münchnerin - Theresienwiese - Erzgießerei - Glas und Stahl - Nymphenburger Porzellan - Viktualien - Die Isar