
Öl auf Leinwand / 64/81 x 277,5 cm / 1875
Für die Ausstattung des Neuen Rathauses arbeitete der Maler Karl Theodor von Piloty am größten Ölgemälde, das jemals im Auftrag der Stadt München entstand. Mit einer Länge von fünfzehn Metern paßte das Historiengemälde zum Namen des Raumes, für den es bestimmt war, dem "Gemeindebevollmächtigtenkollegiumssitzungssaal". Unter diesem Gemälde tagt der Münchner Stadtrat noch heute. Vor der Ausführung des Monumentalbildes, mit dem eine bis in die Gründungszeit zurückreichende Stadtgeschichte darzustellen war, legte Piloty einen Präsentationsentwurf vor. Im Zentrum triumphiert nicht länger die landesherrliche "Bavaria", sondern die städtische "Monachia". Um die mit einer Mauerkrone ausgezeichnete Stadtpersonifikation versammeln sich "die hervorragenden Männer aus dem Schoß des Bürgerstandes in ihrer charakteristischen Zunft", wie Piloty erläuterte. Hinter der Flußpersonifikation der Isar steht zum Beispiel der "Floßmeister Heiß", der 1477 die Baumstämme zum Dachstuhl der Frauenkirche herangeflößt haben soll.
Mit einem "Fräulein von Schneeweiß", einer Himmelskundlerin, von der bekannt war, daß sie um 1760 in einer Sternwarte auf dem Gasteig astronomische Forschungen betrieben hatte, oder mit der wohltätigen Seelsorgerin Anna Wölfl aus dem 15. Jahrhundert fanden auch einige Frauen Aufnahme in das bürgerliche Pantheon. Die Auswahl hatte Piloty selbst besorgt. Er verzichtete auf Repräsentanten aus der zeitgenössischen Residenzstadt, um der traditionalistischen Idee einer betont bürgerlichen Stadtgemeinschaft gerecht zu werden. Diese Rückblende führte zu Widersprüchen. Der Kunstkritiker Friedrich Pecht (1814 – 1903) sprach 1888 von einer "Überfüllung mit meist gänzlich unbekannten Unsterblichen" und entlarvte die bürgerliche Tradition als Wunschdenken: "Leider bricht das Gemälde gerade da ab, wo das ehemalige Pfaffennest München erst Bedeutung gewinnt, wirklich weltbekannte Männer und nicht nur Lokalberühmtheiten enthält – am Anfang dieses Jahrhunderts. Seine Fortsetzung durch ein Gegenstück müßte deshalb noch ungleich interessanter werden."
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