
Ton gefaßt / H. 60,6 cm / um 1887
Das Münchner Kindl kam im Jahr 1847 zur Welt , und zwar "in der Nacht vom 7ten December". Von diesem Ereignis berichtete zumindest die Satirezeitschrift "Fliegende Blätter". Ihr Herausgeber Kaspar Braun (1807 – 1877) skizzierte damals eine Bilderfolge, in der die heraldische Figur des Münchner Mönchs aus dem Stadtwappen tritt, um fortan als "Das Münchener Kindel" ein Eigenleben zu führen.
Die Verselbständigung und zugleich auch Verniedlichung des städtischen Hoheitszeichens hatte sich schon im Lauf des 18. Jahrhunderts abgezeichnet , als der Wappenmönch in barocken Bildschöpfungen zunehmend kindliche Züge annahm. Für diese Verjüngungskur diente der christliche Typus des kindlichen Weltenheilands mit seinem Segensgestus als Vorbild. Vom "Münchner Khindtl" war dann erstmals im Zusammenhang mit einem Wappenschild die Rede, das die Stadtkämmerei im Jahr 1726 zu bezahlen hatte.
Die Loslösung aus den rechtsverbindlichen Bildzeichen vollzog das Münchner Kindl aber erst in der Zeit der kommunalen Selbstbestimmung, in der sich München als "Kunst- und Bierstadt" behauptete. Davon zeugt die geradezu kuriose Vermehrung in kunstgewerblichen Neuschöpfungen. An die mönchische Herkunft erinnerten noch Schürze (Skapulier) und Gürtel (Cingulum) einer offenbar benediktinischen, im Grunde aber unbestimmbaren Ordenstracht. Mit Bierkrug und Rettich wurden dem Münchner Kindl in den Jahren um 1880 dann ganz weltliche Attribute in die Hand gegeben. Eine vergleichbar lebendige Symbolfigur hat die Stadt Berlin mit ihrem Bären.
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