
Öl auf Leinwand / 202 x 99 cm / um 1885
In der Porträtmalerei ist die Darstellung der lebensgroßen Ganzfigur die vornehmste Aufgabe. Diese Würdeform auf eine Schankkellnerin übertragen zu haben, erscheint als typisch für das Selbstverständnis der "Kunst- und Bierstadt" München. Es entsteht ein Kontrast, der in Paris auf einer noch provokanteren Ebene verhandelt wurde: Zur selben Zeit malte Edouard Manet die weltberühmten Porträts der Prostituierten und Barmädchen aus den "Folies-Bergère".
Die "Schöne Coletta" ist als eine Münchner Interpretation des Themas zu verstehen. Weder dem Maler noch seinem Modell dürften solche Zusammenhänge allerdings viel gesagt haben. Über die Herkunft der Coletta Möritz (1860 – 1953) kursieren verschiedene Versionen. Als ihr Geburtsort wird das oberbayerische Aichach ebenso genannt wie die Ortschaft Ebenried bei Landau an der Isar. Sicher ist, daß die zum Abbild der "Schönen Münchnerin" gewordene Frau nicht aus München stammte. Sie vertrat die riesige Gruppe der Landmädchen, die als Dienstbotin oder Kellnerin in die Großstadt geschickt worden waren. Seit 1877 arbeitete Coletta Möritz in verschiedenen Münchner Wirtshäusern. Als eine lokale Berühmtheit wurde sie von dem kroatischen Maler Toni Aron (1859 – 1920) im Auftrag der Bürger-Brauerei porträtiert. Zuvor hatte die Kellnerin schon Friedrich August von Kaulbach zur Schöpfung der "Schützenlisl" inspiriert, einer vielfach nachgeahmten Kunstfigur, die zum Urbild eines bajuwarischen Pin-up-Girl wurde.
Zuerst mit einem Schwabinger Wirt und in zweiter Ehe mit einem Postbeamten verheiratet, starb Coletta Möritz hochbetagt im Jahr 1953, als der Schlager "Schützenlisl – dreimal hat's gekracht" zum Wiesnhit wurde. Ihre Karriere taugte zur Romantisierung eines Berufsstands, der in Wahrheit die sozialen Mißstände der Zeit um 1900 in besonderem Maß spiegelte. Kellnerinnen lebten von ihren Trinkgeldern, von denen sie außer Versicherungsabgaben auch noch "Putzgeld", "Bruchgeld" und "Toilettengeld" an den Wirt abführen mußten. Von den rund 2.500 Prostituierten, die der Münchner Polizei im Jahr 1909 bekannt waren, stammte ein Viertel aus dem Milieu der "Biermädchen".

Öl auf Leinwand / 92,5 x 119 cm / 1844
In der "Kunst- und Bierstadt" München gewährte die bis heute bekannte Institution des Kunstvereins einen gesellschaftlichen oder mitunter auch nur geselligen Zusammenhalt. Zu den frühesten und zugleich bedeutendsten Vereinigungen zählte die schon um 1839 zusammengetretene Künstler-Gesellschaft, die sich nach ihrem Stammlokal "Stubbenvoll" nannte. Die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Gastwirtschaft befand sich am Unteranger nicht weit vom Zeughaus.
Der Kunstkritiker Friedrich Pecht beschrieb die Künstlerkneipe 1843 als "ein Lokal im gotischen Stil, eng, rauchig und unbequem, aber sehr romantisch." Bei den Treffen der rund 120 Mitglieder sei es "oft sehr wild und lärmend" zugegangen. Das damals entstandene Gruppenbildnis Schoens bestätigt diesen Eindruck.
Unter Trinkpokalen und Statuetten von Künstlern wie Holbein, Dürer und Rubens hat sich eine dicht gedrängte Künstlerversammlung eingefunden, der aber weniger mit kunsthistorischen als mit sozialgeschichtlichen Kriterien beizukommen ist. Als Wortführer ist der Historienmaler Feodor Dietz zu einem Trinkspruch auf seinen Stuhl gestiegen. Mit erhobenem Krug antwortet ihm der Genremaler Karl von Enhuber. Weitere Tischgenossen sind der Bildhauer Franz Xaver Schwanthaler in der karierten Weste und in Rückenansicht der Genremaler Heinrich Marr. Insgesamt lassen sich etwa vierzig Porträts identifizieren. Der Maler Friedrich Wilhelm Schoen (1810 – 1868) steht als Pfeifenraucher links im Hintergrund.
weitere Themen im Monachiasaal
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