Plakat Simplicissimus

Thomas Theodor Heine / "Simplicissimus"

Farblithographie / 75,9 x 99,2 cm / 1897
Neben der "Jugend" erschien seit 1896 die satirische Wochenschrift "Simplicissimus" in München. Der Titel bezieht sich auf die literarische Figur des "Simplicissimus Teutsch", die beispielhaft die Gattung des barocken Schelmenromans verkörperte. Die überregional verbreitete Zeitschrift führte die politische Karikatur auf ein in Deutschland bisher unerreichtes Niveau. Zu ihren kreativsten Köpfen zählte der jüdische Künstler Thomas Theodor Heine (1867 – 1948). Er machte die aggressive Bulldogge zu einer Art Wappentier des Unternehmens, mit dem die heute abgedroschene Redewendung von der "Satire mit Biß" sinnbildlich geworden ist. Die Politik des wilhelminischen Kaiserreichs bot dem bissigen Zugriff der Satiriker saftige Fleischbrocken genug. Bevorzugter Gegenstand der Kritik waren Kaiser und Militär sowie Kirche und Justiz.

Die Kühnheit der satirischen Zeichnungen ist eindrücklich an den wiederholten Verkaufsverboten zu bemessen. Heine wurde 1899 wegen Majestätsbeleidigung sechs Monate lang ins Gefängnis geworfen. Später haben ihn die eigenen Kollegen denunziert und 1933 ins Exil gezwungen. Unter Olaf Gulbransson und Eduard Thöny öffnete sich der "Simplicissimus" der nationalsozialistischen Propaganda, mit der die Zeitschrift bis 1944 unbelangt fortbestehen konnte. An die satirische Intelligenz und nicht zuletzt zeichnerische Qualität, die den "Simplicissimus" vor dem Ersten Weltkrieg, aber auch noch in den zwanziger Jahren kennzeichneten, konnte im bundesrepublikanischen Deutschland erst wieder die "Neue Frankfurter Schule" um F.W. Bernstein, Robert Gernhardt und Friedrich Karl Waechter anschließen. Ein Lokal in der Türkenstraße erinnert heute zumindest dem Namen nach an die Zeitschrift. Die Wirtin Kathi Kobus, eine Chiemgauer Bauerstochter, hatte es im Jahr 1903 als "Künstlerkneipe Simplicissimus" eröffnet.

 

Plakat Sacharoff

Alexej von Jawlensky / "Alexander Sacharoff"

Farblithographie / 101,3 x 78,5 cm / um 1912
Im Jahr 1910 debütierte Alexander Sacharoff (1886 – 1963) im Münchner Odeon als Solotänzer. Mit seiner androgynen Erscheinung löste er beim Publikum schlicht Entsetzen aus. Seine Darbietungen wurden als "pervers und unmoralisch" empfunden.

Der in der Ukraine geborene Tanzkünstler war 1905 über Sankt Petersburg und Paris nach München gekommen. Er wurde Mitglied der "Neuen Künstler-Vereinigung München" und arbeitete mit dem Maler Wassily Kandinsky und dem Komponisten Thomas von Hartmann an der Verwirklichung eines synästhetischen Kunstwerks. Kandinsky erinnert sich an dieses Projekt: "Der Musiker suchte aus einer Reihe meiner Aquarelle dasjenige aus, das ihm in musikalischer Hinsicht am klarsten erschien. In Abwesenheit des Tänzers spielte er dieses Aquarell. Dann kam der Tänzer dazu, ihm wurde das Musikstück vorgespielt, er setzte es in Tanz um und sollte danach das Aquarell erraten, das er getanzt hatte."

Das seltene Plakat ist "vor der Schrift", das heißt ohne den Aufdruck für eine konkrete Veranstaltung. Der Entwurf wurde jüngst Alexej von Jawlensky (1864 – 1941) zugeschrieben, von dem das berühmte Porträt des Tänzers in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus stammt.

 

Fussballplakat

Emil Kneiß / "Wacker Fußball Abt. d. S.C. Monachia"

Farblithographie / 119,8 x 87,1 cm / 1909
Fußball in München wird heute mit "Bayern München" gleichgesetzt. Das war nicht immer so. Der erste Münchner Fußballverein wurde 1896 von Gymnasiasten und Studenten gegründet und hieß "Terra Pila" (Erdkugel). Der "FC Bayern" formierte sich im Jahr 1900 aus Mitgliedern des "Männer Turnvereins von 1879". Kurz darauf hatte auch der "Münchner Turnverein von 1860" eine eigene Fußballriege. Der 1903 in Laim gegründete "FC Wacker" schloß sich 1908 dem "Radsportclub Monachia" an.

Die frühesten Spielstätten waren die Theresienwiese und die Schyrenwiese in den Isarauen. Anders als in Österreich setzte sich bald eine Eindeutschung der englischen Fachbegriffe durch: Der penalty wurde zum "Elfer" und der keeper zum "Torwart". Damit war dem Spiel seine anfängliche Exklusivität genommen. Den Rang einer Kultstätte erlangte das heute noch bestehende "Sechzger-Stadion" an der Grünwalder Straße in Giesing. Im Jahr 1911 errichtet und 1925 umgebaut, war es das erste bedeutsame Fußballstadion Münchens und Austragungsort legendärer Lokalderbys von "Löwen" und "Bayern". Seine Bedeutung verlor es erst, als die Bundesligapartien der "Bayern" von 1972 an und die der "Löwen" von 1994 an im Olympiastadion stattfanden und seit 2005 schließlich in der "Allianz-Arena". Beide Vereine hatten in den Jahren 1931 und 1932 erstmals die bis dahin führenden Mannschaften von Fürth und Nürnberg abgelöst.

Von 1913 bis 1933 war Kurt Landauer der Präsident des "FC Bayern". Als Jude wurde er "mit Rücksicht auf die staatspolitische Neugestaltung der Verhältnisse in Deutschland" zum Rücktritt gezwungen, konnte in die Schweiz emigrieren und kehrte 1947 in sein altes Amt zurück. Die große Ära mit Spielern wie Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Sepp Maier begann 1964, als der Verein in die neu gegründete Bundesliga zu seinem Lokalrivalen "1860" aufrückte. Heute ist "Bayern München" zu einem Mischkonzern geworden; man hört viel von Fernsehrechten, Fanartikeln und dem Kauf und Verkauf von Spielern. "Bayern" hat eine überregionale Anhängerschaft, während für den gebürtigen Münchner bevorzugt nur die "Löwen" zählen. Neben den Vereinen in den Profiligen gibt es in München über 200 Amateurvereine. Im Dantestadion fand 1957 trotz Protests des Deutschen Fußballverbands das erste Wettspiel zweier Frauenmannschaften statt. 1974 gab es bereits 16 Ausländervereine, inzwischen sind es über 30, von denen der SV Türk Gücü nach den Bundesligisten die meisten Zuschauer hat.

weitere Themen im Monachiasaal

(Die Links verweisen auf ausgewählte Ausstellungsstücke)
Die Geburt der Monachia - Münchner Kindl - Münchnerisch - Bier- und Kunststadt: Biertrinker, Künstlerkneipe, Künstler - Richard Wagner - Historismus - Jugendstil - Made in Munich - Prinzregentenzeit - Friedensengel - Die Exoten - Münchner Schulen - Schwabing um 1900 - Exzentriker