
Öl auf Leinwand / 200 x 247 cm / 1914
Das Gemälde entstand kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Der Begriff der Avantgarde, um den in der Kunst gestritten wurde, bezieht sich in seiner militärischen Grundbedeutung auf die Vorhut einer Armee. Die vorrückenden Soldaten gehören zum Königlich-Bayerischen Reserve-Infanterie-Regiment, das am 2. August 1914 aufgestellt worden war und bis Kriegsende 1918 bestand.
Die Uniformen sind authentisch dargestellt. In der Wiedergabe eines Fronteinsatzes erweist sich die Szenerie jedoch als wenig realistisch. So war der geschlossene Bajonettangriff längst nicht mehr üblich und wäre angesichts der auf der gegnerischen Seite eingesetzten Maschinengewehre glatter Selbstmord gewesen. Auch ist die Regimentsfahne mit dem Monogramm des bayerischen Königs Ludwig III. eine freie Zutat des Malers.
Das Gemälde verherrlicht eine Welle des Patriotismus, die wie im ganzen Kaiserreich auch in München aufbrandete. Auf dem Odeonsplatz war am 2. August 1914 eine gewaltige Menschenmenge zusammengetreten, um die Kriegserklärung an Rußland zu feiern. Darunter befand sich bekanntlich auch Adolf Hitler. Die Euphorie wurde aber nicht nur von konservativen Kräften befeuert. "Um im In- und Ausland die Kriegführung zu unterstützen", funktionierte Thomas Theodor Heine die bislang antimilitaristische Zeitschrift "Simplicissimus" in ein chauvinistisches Hetzblatt um.
Thomas Mann schrieb im Rückblick: "Wie hätte der Künstler, der Soldat im Künstler nicht Gott loben sollen für den Zusammenbruch einer Friedenswelt, die er so satt, so überaus satt hatte? Krieg? Es war Reinigung, Befreiung, was wir empfanden, und eine ungeheure Hoffnung." Das bekannteste Beispiel für einen solchen "Soldaten im Künstler" war der Blaue-Reiter-Maler Franz Marc, der am 4. März 1916 bei Verdun gefallen ist.
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