Schmerzhafte Muttergottes

Anonym / Schmerzhafte Muttergottes aus der Münchner Herzogspitalkirche

Öl auf Leinwand / 175,5 x 95 cm / 18. Jahrhundert
Das Gemälde zeigt die für die Herzogspitalkirche geschaffene Holzstatue der Schmerzhaften Muttergottes, die am 21. Januar 1690 höchstlebendig die Augen bewegt haben soll. Das Wunder war von einem Kind beobachtet worden und erhielt umgehend die Approbation des Bischofs von Freising. Das Bildwerk wurde zum Ziel der wichtigsten Marienwallfahrt in der ganzen Region. In nur fünf Jahren wurden in der Spitalkirche 56.000 Messen gelesen und nicht weniger als 400 weitere Wundertaten gezählt. Kurfürst Maximilian III. Joseph ließ sich das Gnadenbild 1777 ans Sterbebett bringen.
Das "in ganz Deutschland so berüchtigte wunderthätige Marienbild" hat auch das Interesse des protestantischen Aufklärers Friedrich Nicolai aus Berlin geweckt. Bei seinem Besuch im Jahr 1781 notierte er: "Die fromme Einfalt sagt von diesem Bilde, daß es einen jeden ansehe, in welcher Ecke der Kirche er auch stehe; daß es die Augen aber von dem abwende, der in einer Todsünde sey. Das Bild sah aber uns Ketzer eben so wie die neben uns stehenden Katholiken gerade an, woraus denn zu schließen seyn möchte, daß es mit unserer Seligkeit noch so übel nicht beschaffen ist."
Die originale Holzfigur gehörte zu einer 1651 von dem Münchner Bildhauer Tobias Bader geschaffenen Kreuzigungsgruppe. Sie wird bis heute in der Kirche des Herzogspitals verehrt, das Herzog Albrecht V. im Jahr 1572 gestiftet hatte.

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